Sunday, July 16, 2006

Ich wünschte ich könnte einfach die Trauerrede hier reinschreiben, weil so wunderschön wie diese war, kann ich das alles garnicht ausdrücken.
Als meine Ma ungefähr 14 war starb ihr Vater, was schon ein ziemlicher Schock war. Als sie so alt war wie ich starb auch ihre Mutter nach langer Krankheit. Somit hatte ich nie die Chance meine Großeltern kennenzulernen, doch alleine sollte ich, und auch meine Ma, nicht sein.
Kurzerhand wurde sie von der Mutter ihrer besten Freundin aufgenommen. Damit gehörte sie zur Familie und somit auch mein Vater und ich.
Es dauerte in meinem Leben, bis ich erfuhr, dass meine Oma nicht wirklich meine Oma war und meine Tante 'nur' die beste Freundin meiner Ma. Schlimm fand ich das nie, denn sie waren meine Familie. Wir gehörten dazu und dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich. Auch wenn durch unsere Körper nicht daselbe Blut fließt, ist dieser Teil der Familie doch mein Lieblingsteil. Es ist einfach und wird auch immer so bleiben.
Das letzte Mal sah ich meine Oma letzten August, als wir zur Beerdigung meines Opas (der Vater von meinem Da') wieder gen heimat aufbrachen. Es ist immer was schönes, wenn wir wieder nach Fiwa fahren. Und mindestens ein Nachmittag bei meiner Oma war drin. Es war immer so. Die ganze Familie kam zusammen und Oma kochte für uns.
Im Oktober letzten Jahres kam sie ins Krankenhaus. Der Befund: Darmkrebs. Er musste schon lange da gewesen sein, ohne das meine Oma es gemerkt hatte. Trotzdem nahm sie die Chemo-Therapie auf sich, immer mit der Hoffnung den Krebs zu besiegen.
Eigentlich sah auch alles ziemlich gut aus, als sie im Mai diesen Jahres wieder ins Krankenhaus musste, wegen einer Chemo-Therapie. Es war klar, dass die Chemo ihre kräfte aufbrauchte und sie fühlte sich auch immer ziemlich kraftlos und matt danach. Doch sollte dies ihre letzte Chemo-Therapie sein, denn es lief nicht alles glatt. Ihr ging es immer schlechter und meine Tante war immer für sie da. Sogar nachts, ging sie ins Krankenhaus, wenn meine Oma sie sehen wollte. Das nahm auch ihr viel Kraft und die Routine legte sich in ihren Tag. Aufstehen, vielleicht schon früh zu Oma, dann Arbeiten und danach wieder zu Oma. Nachmittags dann kurz nach hause, um dann Abends nochmal zu Oma zu fahren.
Ich hatte mit meiner Ma schon den Kurzurlaub in Fiwa geplant. Die Flugtickets waren gebucht. Alles mit der Absicht, Oma noch ein letztes Mal zu sehen. Am 2. Juli sollte es los gehen, doch alles kam anders.
Es war die Nacht vom 25. auf den 26. Juni, also mein 18. Geburtstag. Ich hatte etwas mit Dave reingefeiert, ging dann aber doch schon gegen 1 Uhr ins Bett. Ich wusste, dass Chrischan mich nicht mitten in der Nacht anrufen würde, weil er am nächsten Tag arbeiten musste. Doch ich wusste, dass er es früh morgens, doch versuchen würde. Also stellte ich mein Handy auf laut und legte es neben mir ins Bett. Ich schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein, doch lange sollte mein Schlaf nicht sein. Gegen 2 Uhr wachte ich wieder auf, weil Cooper randale machte und erst gegen 3 Uhr mal an schlaf dachte. Später machte mich der Regen wieder wach, was dazu führte, dass ich am nächsten Morgen ziemlich müde und mit nicht der besten Laune aufwachte, als meine Ma das Zimmer betrat. Ich fand es schon ziemlich komisch, dass sie so früh in mein Zimmer kam um mir zu gratulieren, schließlich hatte sie Urlaub. Sie legte sich zu mir ins Bett, doch ich schob nur die Decke über meinen Kopf und erzählte ihr im kurzen Murmeln die Ereignisse der Nacht. Sie sagte solange nichts, hielt mich nur im Arm. Als sie sprach, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Ich drehte mich zu ihr und sah ihr verheultes Gesicht. Die Worte 'Es tut mir leid. Sie wollte es so bestimmt nicht' auf ihren Lippen. Mehr brauchte sie nicht zusagen, alles andere war klar. Ich weiß nicht wie lange wir so dalagen, Arm in Arm, weinend. Später, als ich wieder im Halbschlaf war, rief Chrischan an. Auch total verheult. Ich versuchte ihn so gut es geht zu trösten, doch schaffen tat ich es nicht so wirklich.
Er redete kurz mit meiner Ma, um kurz danach wieder anzurufen. Wir machten uns dann schon für die Abreise zurecht. Der Flug wurde einfach umgebucht. Da' würde nachkommen, am Mittwoch. Donnerstag dann die Trauerfeier.

Ich wollte nie, dass dieser Tag einmal kam. Jeden Tag wacht man mit dem einzigen Gedanken auf, dass es der letzte sein könnte und dann...

Ich weiß nicht wie ich es geschafft hatte, aber irgendwann geht auch mir mal die Kraft aus und am Mittwoch brach ich dann weinend auf dem Balkon zusammen. Da realisierte ich mal wieder, wie sehr ich diese Familie liebte. Chrischan war einfach für mich da. Lag mit mir im Bett und hielt mich einfach nur in den Armen.
An den Donnerstag will ich garnicht mehr denken.

Eines hat mir meine Oma auch noch nach ihrem Tod gezeigt. Man muss Menschen verzeihen können. So machte ich noch während der Trauerfeier, stillschweigend mit mir aus, Helen eine 2. Chance zu geben. Ich musste einfach, da ich merkte wie sehr ihr an mir lag, war sie doch diejenige die mich an die Hand nahm, mich versuchte zu trösten und mir den Halt gab, den ich brauchte.

Ich will jetzt nicht schlecht über meine Familie reden, weil ich weiß, dass Oma das nicht möchte. Doch irgendwann muss ich es tun. Es tut mir leid...

it doesn't matter [ 1:35 PM ]

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